Judenhass – ein Buch, das wachrüttelt

 In Allgemein, Bücher

Michel Friedman ist mit „Judenhass“ ein kleines aber wichtiges Buch gelungen, das dem Leser viele Fragen stellt. Fragen, vor denen man sich nicht wegducken kann. Es geht um Antisemitismus in Deutschland und der Welt. Geschrieben hat Friedman sein Buch offensichtlich unter dem Eindruck des 7. Oktober 2023, wie es auf dem Titel vermerkt ist.

        

Friedman schreibt mit einer Wucht, die wehtut. Er argumentiert klug, aber immer aus der Erfahrung eines Betroffenen heraus – als jemand, der Anfeindungen selbst erlebt hat und erlebt, der trotzdem weiter hinschaut. Es gibt keine akademische Distanz, kein Wegducken, kein Verschweigen, kein Aufgeben. Stattdessen: Klartext. Und genau das macht das Buch so stark.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist Friedmans Fähigkeit, den gegenwärtigen Antisemitismus gerade in Deutschland nicht als Randphänomen abzutun. Er erläutert, zeigt auf, wie Hass heute codiert, versteckt, salonfähig daherkommt – in Feuilletons, auf sozialen Plattformen, in alltäglichen Gesprächen. Wer beim Lesen denkt „Das betrifft mich nicht“, sollte in seiner eigenen kleinen Welt genauer hinschauen und hinhören. Und eine kritische Selbstreflexion ist nie verkehrt. Das Thema „Antisemitismus“ geht uns alle an, gerade in Deutschland und gerade in der heutigen Zeit.

Ein Buch mit sechs beeindruckenden Briefen

Friedmans Sprache ist präzise, seine sechs Briefe – besonders der Brief an seine Söhne – sind beeindruckend und bedrückend zugleich. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil mich ein Kapitel oder auch nur ein Satz regelrecht angefasst hat. Der Autor stellt dabei unbequeme Fragen – an uns alle, aber auch an sich selbst. Und er dosiert klug zwischen Wut und Analyse. „Judenhass“ ist kein Trostbuch, kein versöhnlicher Essayband. Es ist vielmehr ein Weckruf, ein Buch, das nachhallt und zum Nachdenken anregt.

Kurz gesagt: Pflichtlektüre, Schulbuch, Diskussionsgrundlage. Nicht nur für die, die glauben, auf der richtigen Seite zu stehen. Sondern für alle, die verstehen wollen, warum der Hass nicht schweigt – und warum Schweigen keine Option ist.

Ich habe das Buch mit einem deprimierten, aber zugleich guten Gefühl aus der Hand gelegt. Es hat mich besorgt, aber nicht hoffnungslos zurückgelassen. Friedmans abschließender Brief an seine Söhne versprüht zumindest einen Funken Hoffnung. Und vielleicht ist das genau das, was dieses Buch so gut macht.

Zusammengefasst:

  • Judenhass – 7. Oktober 2023
  • Autor: Michel Friedman
  • Gebundenes Buch für 12,00 €
  • erschienen 2024 im Berlin Verlag
  • zu finden zum Beispiel bei der Buchhandlung Weber in Ratzeburg oder Mölln

(Fotos: privat)

Empfohlene Beiträge

Beginnen Sie mit der Eingabe und drücken Sie Enter, um zu suchen